Bitte wählen Sie Ihr Land und die gewünschte Sprache aus

 
Uzin Youtube channelFacebook Page
Award-Logo
 

 Haben Sie Fragen?

Wenn Sie weitere Informationen wünschen, rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail. 

 zum Kontaktformular 
 
 

Merkliste (0)

 
 

Frauen in Führung bei der Uzin Utz AG

„Frauen in Führung“ – das Förderprogramm der Uzin Utz AG als intelligente Alternative zur gesetzlichen Frauenquote

Es ist wichtiger, individuelle Lösungen zu entwickeln, als Frauen per Quote zu befördern“, meint Birgit Bilger, Unternehmens- und Personalentwicklerin, die auf Initiative von Vorstandsmitglied Thomas Müllerschön für die Uzin Utz AG in Ulm das Förderprogramm „Frauen in Führung“ entwickelte. Das ganzheitliche Konzept fördert die individuelle, authentische Entwicklung von Führungspersönlichkeiten und orientiert sich am familiären, betrieblichen und stellenbezogenen Lebenszyklus der Teilnehmerinnen, auch unter Berücksichtigung der persönlichen Lebensphasen. „Kooperation statt Konkurrenz ist dabei ausschlaggebend“, so Thomas Müllerschön. „Damit wir alle in Zukunft erfolgreich sein können, brauchen wir künftig die Talente und Fähigkeiten von Frauen und Männern.“

Das speziell auf die Uzin Utz AG zugeschnittene drei Jahre dauernde Programm endete im Sommer 2014. Im folgenden Interview äußern sich Managementtrainerin Birgit Bilger und Thomas Müllerschön, Vorstand der Uzin Utz AG, zur gesetzlich verordneten Frauenquote in Unternehmen und zu möglichen Alternativen.

Frau Bilger, Sie haben tagtäglich mit mehr männlichen als weiblichen Führungskräften in namhaften deutschen Unternehmen zu tun. Was halten Sie von der Frauenquote? Ist sie der richtige Weg, Frauen stärker in der Führungsetage zu etablieren?

„Natürlich müssen mehr Frauen in Führungspositionen. Die Wirtschaft kann – auch angesichts des Fachkräftemangels – nicht auf all die topausgebildeten Frauen verzichten. Darüber hinaus belegen viele Studien, dass Unternehmen durch Frauen in Führungspositionen erfolgreicher agieren und die Unternehmenskultur dadurch nachhaltig zum Besseren verändert werden kann.“

Frau Bilger, Herr Müllerschön: Was ist Ihrer Meinung nach der Hintergrund dieser Debatte zur Frauenquote?

Thomas Müllerschön: „Eines ist unbestritten: Es gibt Ungerechtigkeiten und vermutlich auch überforderte Männer in hohen Führungspositionen, die möglicherweise bevorzugt befördert wurden. Aber es gibt nun mal auch Branchen und Berufe, die Frauen und Männer unterschiedlich stark anziehen. In meinen Augen behandelt die gesetzliche Regelung nur das Symptom, anstatt Ursachen zu erforschen und dafür adäquate Lösungen zu finden.“

Birgit Bilger: „Oft höre ich in Diskussionen Argumente, die Stereotypen bedienen und die nicht die historisch gewachsenen Ursachen für die einseitige Verteilung der Geschlechter in Führungspositionen berücksichtigen. Umgang, Kommunikation und Denkkultur in vielen Organisationen sind männlich geprägt. Frauen, die hier Erfolg haben wollen, müssen deshalb erst einmal die eigene Unterschiedlichkeit erkennen und die der anderen verstehen, um erfolgreich auf dem Spielfeld derer mitspielen zu können, die die Spielregeln bestimmen.“

Frau Bilger: Wo liegen denn die Probleme in den Unternehmen, Frauen auf dem Weg in die Führungsetage zu unterstützen?

„Zu wenig Unternehmen haben konkrete Ziele, wie sie den Anteil von Frauen in Führungspositionen vergrößern sollen. Es gibt eine große Anzahl von weiblichen Potenzialträgerinnen in der zweiten bis vierten Führungsebene. Hier müssen Maßnahmen in den Personalentwicklungsabteilungen umgesetzt werden, um diese Frauen weiterzuentwickeln. Wie sieht es aus mit flexiblen Arbeitsmodellen für berufstätige und karriereorientierte Eltern, wie ist die Begleitung in der Karriereplanung? Gibt es Mentoring-Programme? Gibt es regelmäßige, strategische Entwicklungsgespräche? Existiert ein Wiedereinstiegsprogramm nach der Elternzeit oder kommen Eltern einfach wieder zurück? Gibt es die Angst vor dem Karriereknick, wenn Elternzeit oder Teilzeit in Anspruch genommen werden?

Zukünftig wird es zunehmend Karrierewege geben, die den individuellen Lebensanspruchsphasen gerecht werden. Aber für vieles davon ist ein anderes Bewusstsein nötig. Wir sind gezwungen, in den nächsten Jahren Arbeitsmodelle zu finden, die den Menschen einen Rahmen bieten, in dem sie flexibler als früher arbeiten; indem sie in ihren Tätigkeiten Sinn finden und dadurch den Unternehmenserfolg ermöglichen. Junge Menschen wollen vielleicht nicht wie ihre Väter ,Karriere um jeden Preis‘. Zudem kommt das Thema Pflege auf diese Generation zu, und wenn Frauen voll berufstätig sind, werden zunehmend Männer in die Situation kommen, ihre Eltern pflegen zu müssen. Hier müssen Lösungen gefunden werden, die allen dienen.“


Immer mehr Unternehmenslenker sind offen für neue Arbeitszeitmodelle und Karrierewege, die den realistischen Bedürfnissen von Familien und Unternehmen gerecht werden. Diese Angebote werden jedoch nicht so wahrgenommen wie erwartet. Noch haben zu viele Menschen Angst vor einem Karriereknick. Es gibt häufig zu wenig Verständnis – von Vorgesetzten und auch von Kollegen. Herr Müllerschön, welche Maßnahmen sind zur Förderung der Frauen als Führungskräfte geeignet?

Thomas Müllerschön: „Zur Unterstützung der weiblichen Mitarbeiter be-darf es nicht nur spezieller Fortbildungsangebote, sondern auch einer Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen einschließlich des Umdenkens aller Beteiligten. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit Frau Bilger das Programm entwickelt. Das Ziel war, eine intelligentere Alterna-tive zur Frauenquote zu erarbeiten. Dieses wurde so flexibel konzipiert, dass sie die unterschiedlichen Lebensphasen der teilnehmenden Frauen berücksichtigt. Uzin Utz bietet den Teilnehmerinnen verschiedene Wege,sich weiterzuentwickeln ‒ gehen müssen sie diese aber selbst. Als innovatives Unternehmen ist es für uns von großer Bedeutung, durch ein solches Angebot auch für neue Fachkräfte attraktiv zu bleiben.“

Frau Bilger, wer ist die bessere Führungskraft: Mann oder Frau?

„Frauen sind selbstverständlich nicht die besseren Führungskräfte – aber sie sind anders, und das muss genutzt werden. Wissenschaftliche Forschungsergebnisse belegen, was wir ja schon wissen: Frauen sind durch ihre Anlagen und Prägungen anders – und das ist gut so. Es ist wichtig, sich diese zum Teil unbewusst wahrgenommene Unterschiedlichkeit ins Bewusstsein zu rufen. Grundsätzlich geht es jedoch um die beste Lösung für alle.“

Herr Müllerschön: Wie führen und kommunizieren Männer und Frauen? Wo sehen Sie Stärken und Schwächen? Was können beide voneinander lernen?

„Meiner Erfahrung nach haben Frauen keinen gänzlich anderen Führungsstil als Männer. Es gibt genügend männliche Führungskräfte, die mit den vermeintlich ,weiblicheren‘ Attributen wie Empathiefähigkeit und Integration führen. Genauso gibt es Frauen, die in unangenehmen Ent-scheidungssituationen klar durchgreifen wie Männer. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau, die sich zum Beispiel häufig in der Kommunikation, im Verhalten sowie in der Lebens- und Karriereplanung äußern. Beide – Frauen und Männer – haben dieselben Fähigkeiten, aber in durchaus unterschiedlich starker Ausprägung. Dies müssen sich alle Beteiligten bewusst machen – in einem kooperativen Miteinander. Denn es geht darum, voneinander zu lernen, um das Beste füreinander zu tun.“

Frau Bilger, wie schneiden weibliche Führungskräfte im internationalen Vergleich ab?

„Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass viele weibliche Führungskräfte in Deutschland andere Themen diskutieren als Frauen im Ausland. Hierzulande stehen für berufstätige Mütter eher Themen wie Work-Life-Balance und fehlende Kinderbetreuungsplätze im Vordergrund. Im Ausland dagegen sind Kinderbetreuungsplätze weniger das Problem und Frauen steigen wesentlich früher wieder in das Berufsleben ein.“

Frau Bilger, Herr Müllerschön, was möchten Sie den weiblichen Nachwuchsführungskräften mit auf den Weg geben?

Birgit Bilger: „Da gibt es einen ganzen Rucksack an Tipps. Geht in Führung, indem ihr euch ganz selbstverständlich in Position bringt, anstatt vorsichtig zu warten, bis ihr entdeckt werdet. Nutzt die Chancen, wenn sie da sind, denn manchmal geht es sehr schnell, sie zu verlieren. Eine wichtige Rolle spielt die Haltung des Partners. Anders als früher ist wichtig, dass Frauen mit ihrem Partner aushandeln, wer für was zuständig ist. Als allein erziehende Mutter zweier Söhne möchte ich anderen Müttern auf den Weg geben, dass Erfolg möglich ist und Freude macht, dass man das Bestmögliche für seine Kinder versucht, sich als Mutter aber innerlich immer zerrissen fühlt und diesen Preis bereit sein muss, zu zahlen.“

Thomas Müllerschön: „Zukunftsthemen der Personalentwicklung wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden uns begleiten, wir möchten mit vielfältigen Angeboten dazu beitragen, auch zukünftig ein attraktiver Arbeitgeber für Männer und Frauen zu sein.“

 

Weitere Informationen können Sie unserer Pressemeldung entnehmen.